KISS: SweetNothingSweet im Schloss Untergröningen

Sweet, tasty, naughty

Es ist süß. Es ist bunt. Es ist mutig. Und etwas verrückt. Besucherinnen und Besucher der Ausstellung SweetnothingSweet im Schloss Untergröningen tauchen in eine Welt ein, die optisch an Filme wie Charlie in der Schokoladenfabrik und Alice im Wunderland erinnert. 

 

Wer zu Beginn seinen Hunger auf Süßes stillen will, kann sich im Süßwarenladen sein Ticket lösen und mit Manner & Co. eindecken. Nötig ist das eigentlich nicht, denn die volle Dröhnung kommt erst noch. Gleich im ersten Stock wartet ein Zimmer drapiert mit Zuckerwatte, Schokolade, Lollipops, Kuchen und all den weiteren Leckereien dieser Welt. Es ist der Überfluss, der Besuchende nicht mehr aus dem Staunen heraus bringt. Linda Treffer, Carl Warner und die Wonderbras haben diese Schlaraffenland mitten im Schloss geschaffen. Eine Zuckerbombe in mächtigem Ausmaß. Und wie sollte es auch anders sein: Beim Verlassen des Raums zeigt die Waage mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht an – auch Anschauen macht wohl dick ...  

Stift und Linse Schloss Untergröningen aufgeschlossen
Stift und Linse Schloss Untergröningen aufgeschlossen

Vorbei an Bildern aus Gummibären und Lakritz geht's zum sweeten Werk von Mirko Schallenberg. Honig tropft erst auf den Tisch und dann, dann auf den Schlossboden. 

Dass süß eben nicht gleich süß ist, zeigt ein Blick in die kommenden Räume. Süß ist sexy. Süß ist zuckrig. Süß ist naughty. Pin-Up-Girls und eine  Dompteuse heißen Besucherinnen und Besucher willkommen.

Skurril, gruselig und aus Zucker sind Ameisen aus Glas und Blattgold von Krista Israel - vorsicht: nichts zum Naschen!

Vorbei an einem rosafarbenen Teddybär mit goldenem Penis geht's zum Werk von Simone Fezer. Die Vulva aus Stoff, Glitzer, Seilen und Polster führt in den Flur. Süß bekommt hier eine neue Definition.   

Stift und Linse Schloss Untergröningen SweetNothingSweet Kunst Ostalbkreis
"Honigtropfen", Mirko Schallenberg
Stift und Linse Schloss Untergröningen SweetNothingSweet Kunst Ostalbkreis
"Through", Simone Fezer
Stift und Linse Schloss Untergröningen SweetNothingSweet Kunst Ostalbkreis
"All you need is love", The Wonderbras

Wer nach all der Verführung Lust auf Kreatives hat, kann sich mit Sand und Zucker austoben, aus der klebrigen Masse eigene Kunstwerke formen. Tatsächlich sind auf Ebene zwei Leckereien nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen – trotz Maske. Das liegt am Kunstwerk "Life in the Woods" von Joy. T. Kaisar. Herrlich riecht's auch, wenn der Tunnel aus Nippons, ja er ist tatsächlich aus vielen vielen Schoko-Puffreis-Waffeln entstanden, durchquert wird. Doch all der Überfluss macht auch stutzig. Denn die pompös aufgefahrenen Installationen und Kunstwerke zeigen auch die Schattenseiten, dass Süßes auch kaputt macht, Menschen für dessen Herstellung ausgebeutet werden und zu viel Wohlstand einfach zu viel ist.

Stift und Linse Schloss Untergröningen SweetNothingSweet Kunst Ostalbkreis
"Do-It-Your-Art"
Stift und Linse Schloss Untergröningen SweetNothingSweet Kunst Ostalbkreis
"Chewed", Markus Schwanender/ "Soft Bodies", Luis Dilgers

Zu viel: Das passt auch zum Werk von The Wonderbras. Ein Konsumtempel mit ausgedienten Stöckelschuhen, alter Kleidung, Kitsch, Dessous, Rechnern aus dem vergangenen Jahrhundert, Uhren und, und, und ... Der Tunnel erinnert an einen Keller, der entrümpelt werden sollte, an eine Messiewohnung, kurz vor dem Platzen – Müll im Überfluss eben. 

Die Ausstellung sättigt Besucherinnen und Besucher, ohne dass diese je etwas genascht haben. Und sie macht nachdenklich. Ist der ganze Süßkram überhaupt nötig...? 


„SweetnothingSweet“ – die Ausstellung bis 27. September 2020 im Schloss Untergröningen

Öffnungszeiten: samstags 14 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 5 Euro 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0